Namibia 06/2017, Caprivi als Selbstfahrer

Namibia bereist man am besten mit dem eigenen Mietwagen. Auch jemand, der zum 1. Mal mit Linksverkehr konfrontiert wird, kann in Namibia selbst fahren. Die Verkehrsdichte ist so gering, dass man auf abgelegenen Strecken stündlich nur eine Handvoll Autos trifft. Selbst durch Windhoek läuft der Verkehr durch Ampelregelungen geordnet ab. Natürlich sollte man sich im Vorfeld mit den Besonderheiten der Straßenverkehrsordnung auseinandersetzen. Unsere Reise hatten wir mit „Suricate“, einem in Namibia ansässigen Unternehmen, organisiert. Die Unterkünfte sowie der Mietwagen waren vorgebucht, sodass alles bestens organisiert war. Hauptziel war der Caprivi, um an den Flüssen dort die reichliche Vogelwelt kennen zu lernen.

Unser Flug ging über Nacht mit Air Namibia von Frankfurt nonstop nach Windhoek. Nach knapp 10 Stunden Flug in einer fasst ausgebuchten Maschine landeten wir pünktlich. Die visafreie Einreise ist unkompliziert und schnell erledigt. Hier am Flughafen haben wir gleich unseren Mietwagen, einen Ford Ranger 4×4 Double-Cap, übernommen.
Unsere 1. Unterkunft lag nur ca. 40 km entfernt vom Flughafen. Wir waren also recht zeitig in der Naankuse Lodge und konnten trotzdem gleich unsere Unterkunft beziehen. Wie aus Funk und Fernsehen bekannt sein dürfte, engagiert sich die Lodge für den Artenschutz vieler bedrohter Wildtiere und den Erhalt der San Kultur. Die Lodge liegt in mitten einer natürlichen Savanne und ist vollständig aus ökologischen Materialen gebaut. Das spiegelt sich auch in der Gestaltung der Zimmer wieder, was sich aber leider nicht immer als praktisch erwies. Am späten Nachmittag hatten wir uns für eine Fütterungstour bei den Raubtieren entschieden. Das ist die einfachste Art Löwen, Leoparden, Geparden, Karakal und Wildhunde zu Gesicht zu bekommen. Nachts war es hier sehr kalt, 7 Grad. Das ist typisch für den afrikanischen Winter. Dafür gibt es keinen Regen und am Tag strahlend blauen Himmel. Wir waren froh, dass die Heizdecken im Bett auch funktionierten und nicht nur Deko waren.

Nach einem reichlichen Frühstück ging es am nächsten Morgen auf der B1 nach Norden. Unterwegs deckten wir uns in einem Supermarkt mit Lebensmittel und reichlich Wasser ein. Nach 354 km erreichten wir die Frans Indongo Lodge, eine liebevoll gestaltetet Anlage mit einem gepflegten Garten, Sonnendeck und Swimmingpool. Auf einer Plattform kann man entspannen und hat dabei einen freien Blick auf eine savannenartige Fläche. Ständig konnten wir von hier aus verschiedene Antilopen sehen. In der Lodge selbst sind viele Vögel zu bestaunen, vor allem die kleinen Rosenköpfchen, die besonders in den frühen Morgenstunden massenweise herumflogen und gut Krach machten. Bei einem zweistündigen Gamedrive haben wir nach Nashörnern gesucht und schließlich auch mit viel Geduld drei Spitzmaulnashörner gefunden. Das Essen war ausgezeichnet. Zum Dinner gab es Kudu und das Frühstück lässt keine Wünsch offen. Diese Lodge kann man ganz klar empfehlen.

Der Nächste Stopp war im Etosha, also weiter nach Norden. Hier haben wir im Namutoni Camp (das östlichste) für zwei Nächte ein Bush Chalet bezogen. Den Rest des Tages verbrachten wir im Nationalpark und sind mit unserem Mietwagen auf Pirschfahrt gegangen. Ausgestattet mit einer Karte lässt sich Etosha auf eigene Faust gut erkunden. Das ist natürlich sehr spannend. Regelmäßig lassen sich Giraffen und Elefanten, Kudus und Zebras, Impalas, seltene Vögel und viele andere Tiere beobachten.

Leider geht die Sonne im Winter schon 17:30 Uhr unter. Das bedeutet, dass man auch 17:30 Uhr wieder im Camp sein muss, weil danach die Tore geschlossen werden. Am zweiten Tag sind wir im Park in östliche Richtung bis zum Halali „gepirscht“, von wo es nach einer kurzen Mittagspause wieder zurückging. Endlich hatten wir das Glück auch Löwen zu sehen. Am nächsten Morgen fuhren wir noch vor dem Frühstück wieder auf Löwensuche. Unter einem Busch lag unweit des Camps ein männlicher Löwe, der seine Beute aus der nächtlichen Jagd bewachte und nicht aus den Augen lies. Leider lassen es der Sonnenstand und unsere Position nicht in jedem Fall zu, perfekte Fotos zu schießen. Manchmal ist es auch schon zu dunkel oder arges Gegenlicht, was natürlich schade ist. Was zählt, sind die Erlebnisse, die man mit nach Hause nimmt.

Für die weite Strecke nach Rundu hatten wir uns entschieden, nicht die eintönige Teerstraße zu benutzen, sondern trotz Vorbehalte die Nebenstraßen mit Schotter- und Sandpisten zu wählen. Es gab keine Probleme, denn die sogenannten Pads waren in einem guten Zustand und für unseren 4×4 keine echte Herausforderung. Nach der „Roten Linie“, eine Veterinär- und frühere Siedlungsgrenze, ändert sich das Landschaftsbild fast schlagartig. Während südlich davon eher europäische Einflüsse vorherrschen, sind nördlich typische afrikanische Prägungen sichtbar.

Um unsere Vorräte aufzufüllen, fuhren wir in das Zentrum von Rundu, der 2. größten Stadt Namibias. In den engen Gasse herrscht Verkehrschaos pur. Wir waren froh, als wir ohne Zwischenfälle unsere Unterkunft am Kawango (Okawango) erreichten. Die Hakusembe River Lodge ist direkt am Fluss gelegen. Ein Paradies für Vogelliebhaber. Der Wiedehopf (African Hoopoe) und viele Eisvögeln sind direkt auf dem Gelände der Lodge anzutreffen. Bei einer morgendlichen Bootsfahrt begegnet man unzähligen Wasservögeln und natürlich reichlich Flusspferden und Krokodilen.

Unsere nächste Etappe führte uns über die B8, den Trans-Caprivi-Highway, an den Kwando Fluss. Wir übernachteten in der Lianshulu Lodge, die direkt am Kwando im Mudumu Nationalpark liegt. Im Park haben wir die Möglichkeit genutzt, selbst auf Gamedrive zu gehen. Hier hat sich unser 4×4 Ford bewährt, denn auf den teilweisen Tiefsandpisten wäre ohne Allrad nichts mehr gegangen. Tiere waren Mangelware und auch die hier lebenden Karminspinte haben wir nicht zu Gesicht bekommen, sie sollen erst im Frühjahr und Sommer wieder an den sandigen Wänden am Fluss ihre Bruthöhlen beziehen. Das Essen in der Lodge war sehr gut. Auch die Bungalows haben mit Badewanne, Innen- und Außendusche eine super Ausstattung. Wir haben uns trotzdem nicht wohl gefühlt, weil wir uns als einzige Gäste ständig beobachtet fühlten. Die Preise für Aktivitäten und Unterkunft sind allerdings schon unverschämt hoch. Und dann ist nicht mal eine Flasche Wasser auf dem Zimmer dabei, wie sonst überall selbstverständlich.

Nach zwei Übernachtungen ging es nur 50 km südlich in das Nkasa Lupala Tented Camp. Das liegt auf einer Insel im gleichnamigen Nationalpark in Mitten des Kwando-Linyanti Flusssystems. Aufgrund des geringen Wasserstandes, war aber von einer Insel nichts zu sehen. Auch hier ist es erlaubt den Park mit eigenen Mietwagen, allerdings ist 4×4 Bedingung, zu erkunden. Das Abendessen findet mit allen Gästen auf einem Holzdeck an einer langen Tafel statt. Das sorgt für eine angeregte Unterhaltung und regen Erfahrungsaustausch. Die Nächte waren trotz Wärmflasche sehr kalt. Hier haben wir die Kombitour gebucht, also Pirsch- und Bootfahrt. Höhepunkt waren ein Kampfadler, der einen Schlangenhalsvogel erbeutete und der lange herbei gesehnte Giant Kingfisher. Außerdem sieht man sehr viele Vogelarten, vorrangig Wasservögel, natürlich verschiedene Antilopen, Hippos, Elefanten und Büffel.

Am 11. Tag führte uns die Route wieder nach Westen an die Popa Falls in die Shametu River Lodge. Unser geräumiges Zelt mit großer Terrasse lag direkt am Kawango. Man konnte die Popa Falls hören und teilweise sehen. Am nächsten Tag durchstreiften wir selbst mit unserem Mietwagen den Mahangu Game Park in der Hoffnung die Löwen zu finden, die seit drei Tagen an einem Zebra gefressen hatten. Doch außer dem Gerippe und einige Geyer war nichts mehr zu sehen. Im Park gibt es viele Elefanten und einige Giraffen. Am Flussufer sind viele Wasservögel und der Weißkopf Seeadler zu beobachten. Abends ging es mit dem Boot an den Popa Falls, die eigentlich nur Stromschnellen sind. Eine entspannte Tour in den Sonnenuntergang mit lecker Knabberei und gekühlten Getränken. Wieder gab es einen Giant Kingfisher zu sehen. Am Folgetag sind wir dann doch noch bis Mittag im Buffalo Park, auf der anderen Flussseite gewesen. Der Park macht seinen Namen alle Ehre. Im Sumpfgebiet sind in der Tat massenhaft Büffel anzutreffen. Zum Schluss sind uns noch eine kleine Herde der sehr scheuen Rappenantilopen begegnet. Die waren zum Trinken an ans Ufer gekommen.

Schließlich mussten wir vom Caprivi Abschied nehmen, um die rechtzeitig unsere Zwischenübernachtung in Roys Rest Camp zu erreichen. Die Strecke von 430 km ging über Grootfrontein, wo wir einen kurzen Tankstopp und einen Einkaufsstopp bei Spar machten. Rechtzeit angekommen, bezogen wir unser Nachtquartier. Das Camp war vor langer Zeit eine Farm. Die rustikale Gestaltung aus uralten Überbleibseln daraus ist Geschmackssache. Das kann man mögen oder nicht. Am 14. Tag ging es in unsere letzte Übernachtung zur Elegant Farmstead. Das waren nochmal 470 km Teerstraße. Doch wir haben uns unterwegs wieder einmal um entschieden und sind Schotterpiste gefahren. Der Weg führe über mehrere Farmen, direkt am Waterberg Plateau vorbei. Unterwegs stoppten wir mehrmals, um die schöne Landschaft zu genießen. Ein Farmer berichtete uns von seinen Problemen mit wildlebenden Leoparden und Geparden.

Elegant Farmstead ist herrlich mitten in den Bergen gelegen. Die Unterkünfte sind modern eingerichtet und die Anlage stilvoll gestaltet. Das Abendessen wird richtig in Szene und ist exzellent zubereitet. Das Frühstück ist mehr als reichlich und sehr abwechslungsreich. Als Aktivität wird unter anderem die Tour zu Geparden auf einer befreundetet Jagd- und Gästefarm angeboten eine. Das ist ein echter Geheimtipp. Wer Geparden ganz nah kommen will, ist hier genau richtig.

Unser Rückflug ging erst am Abend 20:35 Uhr. Wir hatten also noch reichlich Zeit etwas zu unternehmen. Da Bummeln in Windhoek nicht in Frage kam, weil wir schon einige Male da waren, entschlossen wir uns kurzerhand, noch in Okambara vorbei zu schauen. Die Okambara Elephant Lodge liegt etwas 100 km östlich des Flughafen. Wir machten uns also auf den Weg, um dort Mensch und Tier „Hallo“ zu sagen. Den Geparden und Karakals, sowie Leopard Lulu geht es gut. Wir haben schon mehrfach die freundliche Atmosphäre auf Okambara erleben dürfen und auch die Geparden Minti und Mogli, damals als Jungtiere geknuddelt. Es war sogar möglich die Beiden im Gehege zu besuchen und zu streicheln.

Als wir den Flughafen vor uns sahen, stand die Sonnen schon sehr tief. Ein erlebnisreicher Urlaub geht zu ende. Noch dem Mietwagen volltanken und abgeben. Der Flug, wieder mit Air Namibia ging pünktlich. Die Maschine war zu 1/3 nur ausgebucht, so hatten wir genug Platz um einigermaßen den Rückflug zu verschlafen und von 2 Wochen Erlebtem zu träumen. Da wir noch nicht im Süden von Namibia waren, werden wir wohl wiederkommen. Also bis bald.