Brasilien 07/2018, Jaguare im Pantanal

Pantanal BrückeEs war schon länger der Plan, einmal nach Brasilien in das Pantanal zu fliegen, um dort die schönste und größte Raubkatze Südamerikas aufzuspüren. In diesem Jahr haben wir es verwirklicht und sind am 21. Juli dahin aufgebrochen. Das Pantanal (portugiesisch: Sumpf) ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde und ist mit 230.000 km² nur im Norden touristisch erschlossen.
Wir entschieden uns entgegen sonstiger Gewohnheiten in Afrika für eine geführte Tour. Am Airport wurden wir von Santos, unserem Guide, schon erwartet. Fortan fuhren wir mit seinem „Safari-Car“ (einem schon in die Jahre gekommenen Fiat-Doblo) entlang der „Transpantaneira“ durch das wunderschöne, tierreiche Gebiet im mittleren Südwesten Brasiliens. Diese Straße wird gesäumt von zahllosen Sümpfen und Flüssen, und weil es über die Flüsse einer Brücke bedarf, überquerten wir alle 127 davon. Bis auf wenige waren die meisten in einem Zustand, wo man beim Überfahren lieber seinen Blick in die Ferne schweifen lassen sollte. Eine Reifenpanne war beim Anblick der Holzkonstruktionen mit vielen losen Brettern und hervorstehenden Nägeln vorprogrammiert, die uns dann auch erstaunlicherweise erst am letzten Tag ereilte.


TukanTukanUnsere erste Übernachtung war in der Pousada „Pioval“. Eine Pousada ist im portugiesischen Sprachgebrauch eine Lodge, nur viel einfacher und zum Teil mit parallel laufendem Farmbetrieb. Die Zimmer waren alle spartanisch eingerichtet, ohne jeden Komfort und Schnick-Schnack. Das Essen wurde immer (auch in den nachfolgenden Unterkünften) frisch zubereitet und schmeckte lecker. Dazu gab es auch exotische Speisen, wie Piranha-Suppe oder frittierten Kaiman Schwanz. Unsere Tage begannen um 6 Uhr mit einem guten brasilianischen Kaffee. Danach ging es los, entweder erst zu einer kleinen Wanderung um die Lodge herum, in den nahen dichten Busch oder mit dem Fahrzeug ein Stück weiter weg an einen See. Die Sonnenaufgänge zu erleben, die hiesige Vogelwelt zu belauschen (ca. 665 Arten soll es hier geben), das war jeden Tag anders und immer wieder schön. Hier leben die blauen Hyazinth Aras und die prachtvollen großen Tukane mit den riesigen gelb roten Schnäbeln, den leuchtend blauen Augen, sowie deren kleinere Verwandte, die kunterbunt wie Comic-Figuren ausschauten.
NasenbärIm Busch hörte man erst ein zartes Piepsen, dann sah man die kleinen lustigen Äffchen, wie sie die Palmfrüchte futterten.In einen großen hohlen Baum bereitete ein Paar blau-gelbe Aras ihr Zuhause vor. Offensichtlich wurde noch am Heim gebaut, denn es flogen Späne beim Bearbeiten des morschen Holzes mit dem kräftigen Schnabel. Ein Horn-Eulenpaar, hoch oben im Baum, hatte 2 wuschelige Junge und zahlreiche bunte Spechte hämmerten, dass man es weithin hören konnte. Ein guter Auftakt für die ersten beiden Nächte. Ein wenig zogen wir schon ein langes Gesicht, weil wir, außer ein paar Spuren im trockenen Sand, noch keinen Jaguar zu Gesicht bekommen hatten. Ca. 100 Meter vor uns huschte ein Ozelot Paar über den Sandweg und war gleich wieder im Busch verschwunden. Sehr schade. Gerne hätte ich mir diese kleine, aber wunderschöne Raubkatze auch einmal aus der Nähe angeschaut. Genauso war es mit den Nasenbären. Es raschelte kurz im Busch, einer schaute uns durch zahlreiche Zweige mit großen Augen und langer Nase an, um gleich wieder zu verschwinden.


Die 2. Station war das „Pantanal Mato Grosso Hotel“. Um dahin zu gelangen, fuhren wir nach Süden und ließen das offizielle Eingangstor zum Pantanal hinter uns. Allgegenwärtig und unbeeindruckt liegen an den Straßenrändern und unter den Brücken massenhaft kleine und große Kaimane herum. Diese Reptilienart soll wenig aggressiv sein, sodass man ihnen ziemlich nah kommen konnte, bevor sie sich aus dem Staub machten.
Das Mato Grosso Hotel liegt, ganz anderes wie die erste Unterkunft, an einem der zahlreichen größeren Flüsse. Deswegen ging es hier auch, außer zu einem Bush-Walk, täglich per Boot auf Tour. Vor den Zimmern gab es je eine schöne bunte Hängematte. Hier konnte man also in der wenigen verbleibenden Zeit über Mittag, als die Sonne ganz gewaltig brannte (trotz Winter auf der Südhalbkugel), im wahrsten Sinne des Wortes „Abmatten“.
Scharen von kleinen grünen Papageien flogen kreischend über uns hinweg. Wenn sie sich auf einem Baum oder Busch niederließen, konnte man sie kaum von den Blättern unterscheiden. Zahllose Fliegenschnäpper, verschiedene Arten Eisvögel, Reiher und Greifvögel waren hier zu Hause. Auf einem gewaltigen Nest in der Nähe brütete ein Riesenstorchenpaar. Die wirklich größten Störche, die ich je gesehen habe. Unser Guide kannte sich bei allen Vögeln ausgezeichnet aus. Oft begleitet er internationale Gruppen von „Birder“, also Ornithologen, die besonders endemischen Arten auf der Spur sind. Sosehr er sich auch mühte, in der Nähe der Wasserschweine und Kaimane einen „Mister Jaguar“ aufzuspüren, es klappte nicht. Wieder nur Spuren vom Phantom. Vielleicht in der 3. Unterkunft?


AmeisenbärAm 27. Juli fuhren wir wieder in die andere Richtung in die Pouso Alegre Lodge. Nach dem Eingang ging es auf staubtrockener Piste, die mich an jede Zufahrt zu den Afrika-Lodges erinnerte, ca. noch 3 km bis zur Unterkunft. Riesige alte Bäume säumten den Weg links und rechts, das Gras war vertrocknet. Es könnten hier gefährliche Schlangen lauern. Nur eine große gelbe ungefährliche sahen wir an einem Wasserloch. Leider keine Anakonda. Hier stand uns für 3 Tage ein offener Safari-Jeep zur Verfügung. Bei 2 Nachtfahrten mit speziellen Spot-Lampen durften wir 2 Mal einen Tapir beim Wasser trinken beobachten. Eine Nasenbärenfamilie querte den Weg und Sumpfhirsche grasten in aller Ruhe an den zahlreichen Feuchtstellen. Der Höhepunkt hier war ein großer Ameisenbär. Der kam am Nachmittag in die Lodge geschlendert. Erstmal musste ich genau hinschauen, wo denn vorne und hinten war. Überall wurde geschnüffelt. Offensichtlich gab es keinen Termitenhügel, den es lohnt, zu plündern. Nach einer Viertelstunde verschwand er wieder im angrenzenden Busch. Ein kleiner Ameisenbär kam nur in der Dunkelheit, kroch in einen Laubhaufen und verschwand kurz darauf wieder in der Finsternis. Hier bevorzugten die Tukane immer wieder die gleichen Bäume mit kleinen Früchtchen. Die pflückten sie ab. Das sah interessant aus, der große bunte Schnabel und dazwischen eine kleine grüne Frucht. Immer dann, wenn andere Siesta hielten, bewaffnete ich mich mit der Kamera. Ich nahm meinen Hut, zog Knöchelschuhe wegen der Schlangen und ging los. Ein riesiges wunderschönes Farmgelände, völlig naturbelassen, bot reichlich Gelegenheit Neues zu entdecken. Mich faszinierten die vielen bunten Vögel, ein brütendes gehörntes Eulenpaar, zahlreiche Pekaris (Nabelschweine), wie Reiher auf vorbei schwimmende Fische im Tümpel warteten, die zahlreichen hübschen Savannenbussarde und die verschiedenen Arten von Kingfisher (Eisvögeln). Da stehst du, solange du willst, pirschst dich leise an, versuchst eine gute Situation fotographisch festzuhalten. Das funktioniert nur so am besten auf einer ganz individuellen Tour. Das Tempo der Reise bestimmen wir weitestgehend selbst.
Leider, leider, wieder ist „Mister Jaguar“ (so nannte ihn unser Guide liebevoll) nicht zu sehen. Aber es gibt ihn hier. Nur wo und wann zeigt er sich uns? Eine letzte Chance hatten wir noch.


JaguarJaguarVom 30.7. bis 5.8. wollten wir in der letzten Pousada in Porto Jofrè nun endlich Jaguare sehen. Die „Puma Lodge“ liegt in der Tat am Ende der Transpantaneira. Wer tiefer ins Pantanal will, muss auf ein Boot umsteigen. Eine Stromtrasse ist noch im Bau, sodass mitten im tiefsten Busch der Strom mit einem Generator erzeugt wird. Leider lief dieser auch nachts. Das war nicht nur unnötig, sondern auch sehr laut. Die Lodge liegt direkt am Ufer des Flusses „Rio Saó Lourenco“. Pirschfahrten werden also generell immer per Boot gemacht. Wir hatten 5 vollen Tage neben unseren Guide Santos auch noch Bootsführer Mauro an Bord. Abermals hieß es 6:00 Frühstück. Um 6:30 ging es, ausgestattet mit einem Lunch-Paket, in Boot. Die ersten Kilometer wurden immer schnell zurückgelegt, bis zu der Stelle, wo sich dieser Fluss mit dem „Rio Piquiri“ vereinigt. Hier jedenfalls beginnt das eigentliche Schutzgebiet. Es war ja Trockenzeit. Man konnte an den Markierungen der Bäume und Sträucher deutlich erkennen, wie hoch das Wasser im Sommer zur Regenzeit stehen würde. Das dürften schätzungsweise 3 Meter mehr sein.
Wir waren am ersten Tag auf dem Fluss noch keine halbe Stunde unterwegs, wo uns ein Jaguar am Ufer signalisiert wurde. Der schlenderte dort entlang auf der Suche nach einem sich bietenden Frühstück. So ging es, zu unserer Überraschung, das an dem Tag weiter. Natürlich glänzten meine Augen und die Kamera hatte gut zu tun. Am ersten Tag sahen wir gleich 5 dieser Raubkatzen. Der Jaguar gehört zu der Gattung Panther und ist dem Leoparden sehr ähnlichen. Insgesamt an diesen 5 Tagen waren es sagehafte 27 dieser wunderschönen Tiere, die wir manchmal nur kurz sahen, bevor sie wieder im Dickicht verschwanden. Andere lagen in Ufernähe herum, räkelten sich, einer wartete auf einem Baum liegend darauf, sich auf den unter ihm schwimmenden Kaiman stürzen zu können. Leider tauchte diese rechtzeitig ab, bevor die Katze zum Sprung ansetzen konnte. Und sie sind gute Schwimmer, ein paar hundert Meter in Ufernähe im Fluss gegen die Strömung zu schwimmen, bedarf schon ganz ordentlich Kraft. Oh Mann, was waren wir froh. Mit so vielen Jaguaren hätten wir echt nicht gerechnet. Dennoch will ich nicht vergessen, auch die spielenden und jagenden Riesenotterfamilien und den quer durch den Fluss schwimmenden Tapir zu nennen.

Auch einen Bootschnabel-Reiher, mit Nachwuchs, der ganz selten zu sehen ist, wurde uns auf seinem speziellen Baum gezeigt. Um die Mittagszeit „parkte“ der Bootsführer an einer für sicher gehaltenen Uferstelle, zwischen Wasserpflanzen in Nachbarschaft mit vielen Kaimanen. Unser Mittagessen und kühle Getränke hatten wir jeden Tag dabei, Reis, Gemüse mit Hühnchen, Rindfleisch oder Fisch. Zwischendurch war immer noch Zeit für einen Becher Kaffee aus der Thermoskanne. Der Kaffeebecher wurde für die nächste Rund gleich wieder im Fluss ausgespült.


Wir hatten nun letztlich zahlreiche Speicherkarten gefüllt mit unzähligen Erinnerungen von einer Reise, die ihresgleichen sucht. Nicht immer stimmte das Preis-Leistungsverhältnis, wenn man speziell die Qualität der doch durchweg einfachen Unterkünfte betrachtet. Wenn man aber die Abgeschiedenheit und das Einzigartige bedenkt, sieht man alles wiederum in einem anderen Licht. Im Naturschutzparadies Pantanal leben etwa 123 Säugetiere und mit geschätzten 665 Arten ist es ein Eldorado für Vogelliebhaber.
Der 5.6. diente unserer Rückreise nach Cuiabà, wo wir uns noch eine Nacht in einem fantastischen 5-Sterne-Hotel gönnten. Das „Odara“ ließ keine Wünsche offen und der Preis war im Vergleich zu den Unterkünften im Pantanal um Welten günstiger.
Vielen Dank an Santos, unserem Guide und Lehrer, bei dem wir viel über die Flora und Fauna erfahren und gelernt haben. Vielen Dank auch an Fabrizio von „Pantanal Safaris“ in Poconè, bei dem wir diese Tour gebucht hatten. Alles war bestens organisiert.

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